Rede-Tipps

Umgang mit Lampenfieber

Wie aus Nervosität Nervenkitzel wird

Der Termin der Hochzeit rückt näher – und damit auch Ihr Rede-Auftritt. Die Aufregung wächst. Machen Sie sich darüber keinen Kopf:

Lampenfieber ist nichts, was Ihnen peinlich sein muss. Es gehört zum Auftritt vor Publikum dazu – auch bei den Profis. Denn es ist die natürliche Reaktion des Körpers auf diese besondere Herausforderung.

Versuchen Sie daher gar nicht erst, Lampenfieber zu bekämpfen. Betrachten Sie es lieber als Ihren Freund, der die notwendige Körperspannung erzeugt. Oder als natürliches Aufputschmittel, das Ihre Energie und Aufmerksamkeit steigert.

Entscheidend ist, dass der Adrenalin-Kick Sie nicht blockiert, sondern aktiviert – damit aus Nervosität Nervenkitzel wird. Und damit das funktioniert, müssen Sie sich ein Stück weit umprogrammieren.

Was meine ich damit? Die Angst vor dem, was alles schiefgehen könnte, setzt ein Gedankenkarussell in Gang, das Aussetzer provoziert. Denn wer ein bestimmtes Ergebnis erwartet, trägt dazu bei, dass es auch wirklich eintritt.

„Selbsterfüllende Prophezeiung“ heißt dieses psychologische Phänomen. Die gute Nachricht: Sie können es zum eigenen Vorteil nutzen – durch positive Affirmationen:

  • Sprechen Sie sich vor dem Rede-Auftritt zu: „Ich schaffe das!“ Unterstreichen Sie dies durch eine bestärkende Geste – wie sie beispielsweise Fußballspieler machen, wenn sie ein Tor geschossen haben.
  • Rufen Sie sich Situationen ins Gedächtnis, die Sie gut gemeistert haben. Das stärkt Ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
  • Wenn die negativen Gedanken wieder lospreschen, sagen Sie „Stopp!“ und stellen Sie ihnen das Bild der gelingenden Rede-Situation entgegen: Visualisieren Sie, wie Sie die Zuhörer begeistern.
  • Erlauben Sie sich, Fehler zu machen: Ein Versprecher, ein „Äh“ ab und zu oder ein kleiner Aussetzer, den Sie mit einem Lächeln und einer charmanten Bemerkung wie „Sie machen mich ganz nervös“ kommentieren, tun dem Rede-Erfolg keinen Abbruch.
  • Freuen Sie sich schon jetzt auf Ihren Applaus!

Atem und Stimme

So beruhigen Sie Ihren Atem

Bei Aufregung wird der Atem flacher. Das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Der Körper verkrampft. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Befreien Sie sich aus diesem Teufelskreis, indem Sie bewusst tief und ruhig atmen:

  • Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie möglichst unbeobachtet und ungestört sind.
  • Setzen oder stellen Sie sich entspannt, aber aufrecht hin.
  • Atmen Sie langsam durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus. Sagen Sie Sie dabei zu sich: „Ich bin ruhig und entspannt.“
  • Halten Sie diese Atemübung einige Minuten durch. Sie werden spüren, wie sich Ihr Puls normalisiert und Ihre Muskulatur sich lockert.

    Je öfter Sie diese Übung anwenden, desto leichter wird es Ihnen fallen, Ihren Atem in Stresssituationen zu beruhigen. Ich sage Ihnen auch, warum das so wichtig ist: Nervosität schlägt sich auf die Stimme nieder.

    Wer aufgeregt ist, dem versagt oft die Stimme. Das heißt nicht unbedingt, dass er gar keinen Ton mehr rauskriegt. Aber was aus seiner Kehle kommt, klingt irgendwie flach, ja, geradezu hysterisch. Und dauernd muss er sich räuspern. Das schadet nicht nur den Stimmbändern. Es ist auch nicht angenehm für die Zuhörenden.

    Profi-Tipp: Sprechen Sie in Ihrer natürlichen Stimmlage, der so genannten Indifferenzlage. Sie finden sie, wenn Sie sich bequem in einen Sessel setzen, Ihren Bauch locker lassen und dabei einige Male „Ach ja“ oder „So, so“ seufzen. Merken Sie sich diesen Ton und rufen Sie die Erinnerung daran kurz vor Ihrem Auftritt ab.

Das richtige Sprechtempo

Lassen Sie Ihr Publikum mit den Ohren sehen

Ein Sprichwort besagt: „Ein guter Redner ist jemand, der bewirkt, dass die Menschen mit den Ohren zu sehen vermögen.“

Doch selbst eine exzellent geschriebene Hochzeitsrede verfehlt dieses Ziel, wenn sie monoton vorgetragen wird. Wenn Rednerinnen und Redner so undeutlich und so schnell sprechen, dass ihr Publikum sie nicht versteht und folglich „mit den Ohren“ überhaupt nichts sieht.

Guter Inhalt allein reicht also nicht. Er muss auch gut vorgetragen werden. Deshalb: Modulieren Sie, werden Sie laut und wieder leise, verführen Sie, erzählen Sie – das alles hat seinen eigenen Ton.

Und: Sprechen Sie nicht zu schnell, denn bedenken Sie: Ihr Publikum hat keine „Wiederholen“-Taste, mit der es sich eine Passage noch einmal anhören kann.

Mein Sprechlehrer stoppte mich immer, wenn ich zu schnell wurde, mit dem Ausruf „Schnäuzelchen!“ Damit meinte er: Achte auf deutliche Aussprache! Denn wer deutlich artikuliert, senkt automatisch sein Sprechtempo. Und ist – ohne sehr viel lauter als normal sprechen zu müssen – bis in die letzte Reihe zu verstehen.

Vor allem aber: Machen Sie Pausen! Das ist leichter gesagt als getan. Denn vor allem Menschen, die nicht oft vor Publikum sprechen, haben Schwierigkeiten, die Länge von Pausen zu bemessen. Sie befürchten schon bei kleinsten Unterbrechungen, ihr Publikum zu verlieren.

Profi-Tipp: Schauen Sie ins Publikum und zählen Sie lautlos 21, 22 – dann fahren Sie fort. Sie werden merken: Das hilft nicht nur gegen zu schnelles Sprechen. Pausen erzeugen auch Spannung!

Positive Körpersprache

Wie Sie die Wirkung Ihrer Worte verstärken

Jetzt ist es soweit: Sie stehen vor der Hochzeitsgesellschaft. Alle Augen sind auf Sie gerichtet. Und plötzlich wird Ihnen bewusst, dass Sie Arme und Hände haben. Wohin damit? Wohin den Blick richten, die Schritte setzen? Alles, was im persönlichen Gespräch ganz automatisch passiert, ist mit einem Mal ein Problem.

Der Körper spricht mit

Dass Ihnen Ihr Körper in der Redesituation sehr bewusst wird, ergibt Sinn. Schließlich hat er ein wichtiges Wörtchen mitzureden, wenn Ihr Auftritt wirklich überzeugend und erfolgreich sein soll. Nicht umsonst sprechen wir von Körpersprache. Sie drückt sich in Mimik, Gestik und Haltung aus. Diese nonverbalen Signale sind mindestens ebenso wichtig wie Ihre Worte selbst.

Beginnen Sie ohne Hast

Erheben Sie sich ruhig von Ihrem Platz und schreiten Sie nach vorn. Blicken Sie freundlich, sprechen Sie die Begrüßungsformel und Ihren ersten Satz ins Publikum. Lächeln Sie – und schon sind Sie in Kontakt mit den Zuhörenden!

Punkten Sie durch positive Körperhaltung

Stehen Sie aufrecht und gerade, ohne ins Hohlkreuz zu fallen. Achten Sie darauf, die Schultern nicht hochzuziehen und die Knie nicht durchzustrecken. So bleiben Sie locker und vermeiden den Eindruck von Starre. Bleiben Sie offen und beweglich, damit Ihr Publikum Sie auch genauso wahrnimmt!

Vermeiden Sie, mit überkreuzten Beinen zu stehen oder häufig von einem Bein auf das andere zu wechseln. Machen Sie vielmehr auch optisch klar, dass Sie einen Standpunkt haben: Stehen Sie mit beiden Beinen – die Füße etwa hüftbreit auseinander – fest auf dem Boden. Setzen Sie von dort aus klar und bestimmt Ihre Schritte.

Auch wenn Sie am Tisch stehend sprechen, können Sie etwas Bewegung in die Sache bringen: Lehnen Sie beispielsweise leicht nach vorne, wenn Sie einen Appell an das Brautpaar oder die Hochzeitsgäste richten. Drehen Sie sich etwas nach links, um diesen Teil der Zuhörerschaft besonders anzusprechen, und nach rechts, um den Menschen dort in den Fokus zu nehmen.

Wohin mit den Händen?

Halten Sie Ihre Hände ungefähr in Höhe des Bauchnabels. Das ist die Grundhaltung, die Ihnen erleichtert, „mit den Händen zu sprechen“ und Ihre Rede durch Gesten zu unterstreichen – zum Beispiel, um

  • Größe durch eine ausladende Geste zu beschreiben
  • oder mit Daumen und Zeigefinger zeigen, wie winzig etwas ist.

Übrigens: Eine Hand in der Hosentasche kann lässig wirken, aber nur, wenn sie dort nicht die ganze Zeit verweilt, denn das wirkt schnell unhöflich.

Profi-Tipp: Vielen fällt der Auftritt leichter, wenn sie während ihrer Hochzeitsrede etwas in der Hand halten. Nutzen Sie dazu Din A5-Karten, auf die Sie im Querformat Ihre Rede gedruckt haben. Halten Sie die Karten in der einen Hand, so haben Sie die andere frei für Gesten.

Die eigene Mimik steuern

So sorgen Sie für gute Stimmung

Sie kennen das: Wenn jemand gähnt, gähnt man kurz danach mit. Die Ursache sind spezielle Nervenzellen in unseren Gehirnen, so genannte Spiegelneuronen, die spiegelbildlich Gefühle oder Körperzustände unseres Gegenübers in uns wachrufen.

Ihre Mimik spiegelt also Ihre Verfassung und Ihre Einstellung gegenüber dem, was Sie sagen. Und dies überträgt sich auf die Zuhörenden. Die gute Nachricht: Sie können ein Stück weit steuern, dass sich gute Stimmung überträgt – indem Sie sich selbst motivieren:

  • Haben Sie Freude an Ihrem Rede-Auftritt: Denn Begeisterung steckt an. Selbst wenn Sie sich dazu erst überreden müssen.
  • Sprechen Sie sich vor dem Auftritt selbst zu: Ja, ich will das! Denn ich habe euch etwas Wichtiges zu sagen! Ich will euch gut unterhalten! Und ich freue mich darauf!
  • Lächeln Sie! Denn Ihr Lächeln wird nicht nur Ihr Publikum dazu verführen, zurückzulächeln. Es versetzt Sie auch selbst in eine positive Stimmung.
  • Probieren Sie es einfach mal aus! Sie werden sehen, dass Sie Ihrem Körper mit solchen Zusprüchen einen Auftrag erteilen, den er automatisch erfüllt. Erst dann entfalten die folgenden Tipps ihre volle Wirkung:
  • Bleiben Sie in Kontakt mit den Zuhörenden: Schauen Sie immer wieder in die Runde – nicht nur in die Mitte, sondern auch gezielt nach links und rechts.
  • Werden Sie nicht unruhig, wenn Zuhörer die Augen geschlossen haben oder in sich gekehrt erscheinen, denn sie dösen nicht. Sie sind konzentriert.
  • Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie sich mal verhaspeln. Das macht Sie eher sympathisch. Weil jeder im Publikum Ihre Situation nachempfinden kann. Denn wer hat nicht schon mal vor Leuten reden müssen?
  • Kurzum: Haben Sie Spaß an Ihrem Auftritt und Interesse an dem, was Sie sagen. Denn wer will schon jemandem zuhören, der eigentlich gar nicht da sein will?

    Profi-Tipp: Sagen Sie Ihrer Angst: „Du bist jetzt still, bis ich fertig bin.“ Und sprechen Sie mehrmals zu sich selbst: „Ich freue mich auf die Rede!“ Denn Freude teilt sich dem Publikum mit.

Was tun mit dem Manuskript:

Ablesen oder auswendig lernen?

Das hängt ganz davon ab, was Ihnen lieber ist. Egal, wofür Sie sich entscheiden – wichtig ist, dass Sie Ihre Rede sehr gut vorbereiten, um sie sicher vorzutragen.

Ob Ablesen oder freies Sprechen: Schauen Sie Ihre Zuhörer immer wieder an. Denn Sie führen ja kein Selbstgespräch und wollen eine Verbindung zum Publikum herstellen. Am besten gelingt das, wenn Sie immer wieder aufschauen und abwechselnd den Brautleuten und einigen Gästen, deren Wohlwollen Sie sich gewiss sind, in die Augen sehen. Dann entsteht freundliche Resonanz, und diese breitet sich über die direkt Angesprochenen auf das gesamte Publikum aus.

Profi-Tipp: Lesen Sie sich an den Tagen vor Ihrem Rede-Auftritt das Manuskript mehrfach laut vor. Sie werden feststellen, dass Sie den Text dann nicht mehr Wort für Wort ablesen müssen, sondern freier sprechen können.

Wenn Stichpunkte genügen

Auf Wunsch erstellen wir Ihnen zusätzlich zum ausformulierten Rede-Manuskript auch ein gut strukturiertes und durchdachtes Stichwortkonzept. Darauf stehen in tabellenähnlicher Form die wichtigsten Merk- oder Leitworte, die Ihnen helfen, den roten Faden nicht zu verlieren. Zusätzlich können auch Zitate aufgenommen werden sowie Formulierungen, die geschickt zum nächsten Punkt überleiten oder Ihre Gedanken in Schwung bringen.

Ein Geschenk als Sinnbild

Wie Sie gute Wünsche und Gefühle veranschaulichen

Sie möchten gute Wünschen und Verbundenheit durch mehr als nur Worte ausdrücken? Dann überreichen Sie während oder am Schluss Ihrer Rede ein kleines Geschenk! Die folgenden Beispiele bringen Sie sicher auf eigene Ideen.

Haben Sie sich als Brautpaar auf einer Reise kennengelernt? Dann könnten Sie Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner etwas, das an diese Reise erinnert, überreichen.

Sie verabschieden als Eltern Ihr Kind in die Ehe? Ein Album mit Fotos aus dessen Leben oder der bisherigen gemeinsamen Zeit des Paares wäre eine Geste besonderer Wertschätzung und Verbundenheit.

Gibt es ein Hobby, das die Brautleute gemeinsam ausüben? Dann freuen sie sich sicher über ein passendes Zubehör.

Sie haben einen Wunsch für das zukünftige Leben des Paares? Veranschaulichen Sie ihn beispielsweise mit einem Ginko als Glücksbringer oder einem kleinen Schiffsmodell als Symbol für die sichere Fahrt über die Untiefen des Lebens.

Es gibt so viele Möglichkeiten! Wir beraten Sie gern.